Mehr Rente ab Juli

Veröffentlicht am 23.04.2009 in Bundespolitik

Rund 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner erhalten ab 1. Juli 2009 deutlich höhere Altersbezüge. Die Renten steigen im Westen um 2,41 Prozent, im Osten sogar um 3,38 Prozent. Das sind bei der so genannten Standardrente 1.224 Euro im Westen und 1.086 Euro im Osten.
Das Bundeskabinett stimmte heute der Rentenerhöhung zu. Die entsprechende gesetzliche Grundlage heißt "Rentenwertbestimmungsverordnung 2009". Die Verordnung bedarf noch der Zustimmung des Bundesrates.

Die so genannte Standardrente geht auch von 45 Beitragsjahren aus.

Stärkster Anstieg seit Mitte der 90er Jahre

So stark wie in diesem Jahr sind die Renten im Westen seit 1994 und im Osten seit 1997 nicht mehr gestiegen. Die Rentenentwicklung orientiert sich an den Bruttolöhnen des Vorjahres.

Die Rentenanpassung 2009 ergibt sich daraus, dass die Löhne in 2008 im Westen um rund 2,1 Prozent und im Osten um rund 3,1 Prozent gestiegen sind. Der höhere Anstieg in Ostdeutschland resultiert also aus der Lohnentwicklung dort.

Daneben wirkt sich auch der so genannte Nachhaltigkeitsfaktor auf die Rentenanpassung aus. Er sorgt dieses Jahr mit rund plus 0,3 Prozentpunkte für eine Steigerung.

Nachhaltigkeitsfaktor

Der 2004 eingeführte Faktor berücksichtigt die Entwicklung des zahlenmäßigen Verhältnisses von Rentenbeziehern und Erwerbstätigen bei der Rentenanpassung.

Steigen die Löhne und Gehälter in ausreichendem Maße und damit auch die Zahl der Beitragszahler, erhöhen sich im Folgejahr die Renten. Umgekehrt: wenn die Einkommen der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen nicht oder nur geringfügig steigen, gibt es auch kein Plus bei den Renten.

Der Nachhaltigkeitsfaktor fand erstmals 2005 Anwendung bei der Rentenanpassung.

Zudem wird der "Riester-Faktor" ausgesetzt. Die Bundesregierung hatte im letzten Jahr beschlossen, diesen für 2008 und 2009 auszusetzen, um auch die Rentnerinnen und Rentner am damaligen Aufschwung zu beteiligen.

Dadurch fielen 2008 die Rentenerhöhungen um 0,65 Prozentpunkte höher aus. In gleichem Maße geschieht das auch jetzt. Ohne die Aussetzung des Riester-Faktors für das letzte und für dieses Jahr wäre die Rentenerhöhung mit rund 1,8 beziehungsweise 2,7 Prozent deutlich geringer ausgefallen.

Die beiden ausgesetzten Stufen werden 2012 und 2013 nachgeholt.

Riester-Faktor

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sorgen mit der "Riester-Rente" auch privat für ihre Altersvorsorge. Um die volle steuerliche Förderung dafür zu erhalten, müssen diese Beschäftigten seit 2004 einen prozentualen Eigenbetrag ihres Bruttoeinkommens aufwenden. Gegenwärtig beträgt dieser Anteil vier Prozent. An diesen Mehrbelastungen der Beschäftigten für die private Altersvorsorge müssen sich auch die Rentner beteiligen. Mit dem so genannten Riester-Faktor werden diese Aufwendungen sachgerecht auf die Rentnerinnen und Rentner übertragen. Für die Jahre 2008 und 2009 ist der Riester-Faktor ausgesetzt.

Auch Krankenkassenbeiträge sinken

Dank des Konjunkturpakets II sinkt der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung zum 1. Juli 2009 um 0,6 Prozent. Davon profitieren jeweils zur Hälfte die Rentenversicherung und die Rentnerinnen und Rentner.

Dies bedeutet ein Plus im Geldbeutel um insgesamt 2,7 Prozent (West) und 3,7 Prozent (Ost). Bei einer Inflationsrate von 0,8 Prozent ist das ein stattlicher Nettozugewinn.

Bei einer monatlichen Rente von 1.000 Euro bedeuten die Verbesserungen ab Juli eine Erhöhung um 27 Euro (West) und um 37 Euro (Ost). Im vergangenen Jahr betrug die Rentenerhöhung insgesamt 1,1 Prozent; 2007 waren es 0,54 Prozent. Davor hatte es drei Nullrunden gegeben.

Auch Arbeitslose profitieren

Von der Erhöhung profitieren auch die rund 7,6 Millionen Bürgerinnen und Bürger, die Arbeitslosengeld II und Grundsicherung im Alter beziehungsweise Sozialhilfe erhalten: Der so genannte Eckregelsatz steigt zum 1. Juli von 351 Euro monatlich auf 359 Euro.

 

Homepage Karin Roth